RG Naturfotographie

Wie ich meine Bilder bearbeite

Für meine Aufnahmen verwende ich den RAW-Modus meiner Kameras, da hierbei mit 214 Bit pro Farbkanal sehr viel mehr Farbabstufungen dargestellt werden als bei JPEGs mit 28 Abstufungen. Dadurch ergeben sich größere Reserven für die Bildbearbeitung.

Alle Aufnahmen, die ich hier oder anderswo zeige, sind bearbeitet, angefangen beim Zuschnitt über Kontraste, Helligkeit, Farben zu Schärfe. Dabei werden auch störende Elemente entfernt wie Sensorflecken, Wasserflecken auf der Frontlinse oder andere Elemente, die stören oder vom Motiv ablenken. Dabei möchte ich möglichst nah an der ursprünglichen Aufnahmesituation bleiben und verzichte auf das Austauschen von Hintergrund oder Himmel oder anderer großflächiger Änderungen.

Meine Ausrüstung

Die Software

Ich habe folgende Software installiert:

Die Hardware

Für die Bildbearbeitung verwende ich einen leistungsfähigen CAD-Rechner mit einer Intel Xeon CPU, 64 GB Arbeitsspeicher und einer Grafikkarte NVidia Quadro P2000, die leider für den Zweck etwas schwach ist. Dabei dient mir ein DELL S2721QS als Bildschirm.

Zusätzlich zur Maus verwende ich zum Arbeiten mit Masken ein Grafiktablett, das Wacom Intuos Pro M.

Vorgehensweise

Bei mir ist Adobe Lightroom die zentrale Software zur Datenverwaltung und Bildbearbeitung. Da Lightroom mit einer Datenbank arbeitet, müssen die Aufnahmen im ersten Schritt in diese importiert werden. Gleichzeitig werden die Aufnahmen auf das NAS verschoben und entsprechend meiner Vorgabe umbenannt. Außerdem werden alle Entwicklungseinstellungen auf eine Grundeinstellung gebracht und die ersten Metadaten mit meinen Kontaktdaten und dem Urheberrechtshinweis versehen. Außerdem werden die Vorschauen in Lightroom erzeugt.

Nach dem Import werden die Aufnahmen mit Schlagworten versehen, der Ort der Aufnahme hinzugefügt und die Aufnahmen ausgewählt, die ich behalten möchte. Der Rest wird gelöscht.

Zur Bearbeitung der Aufnahmen gehe ich grundsätzlich in mehreren Schritten vor:

  1. Entrauschen und Objektivkorrekturen
  2. Auswahl des Farbprofils in Lightroom
  3. Ausrichtung und Beschnitt
  4. Einfache Retuschen
  5. Globale Anpassungen
  6. Lokale Anpassungen mit Masken
  7. Größenanpassung auf Standardgröße
  8. Komplexere Retuschen zur Entfernung störender Elemente
  9. Schärfung

Da ich in der Regel im Raw-Modus arbeite, entrausche ich mit derzeit mit DXO PureRaw. Lightroom bringt zwar in etwa die gleichen Ergebnisse, erstellt mir aber keine DNG-Datei, die ich haben möchte, um eine vollständige Trennung von Ursprungsdatei und bearbeiteter Datei zu bekommen.

Größenanpassung, größere Retuschen und Endschärfung nehme ich in Adobe Photoshop vor.

1. Entrauschen und Objektivkorrekturen

Ich entrausche meine Aufnahmen am Anfang der Bearbeitung, weil ich die Erfahrung gemacht habe, daß sich durch das Entrauschen und die Objektivkorrekturen das fertige Bild verändern kann.

1.1 Raw-Dateien

Mit der Option “Vorschau und Bearbeitung mit DXO Pure Raw” exportiere ich die Aufnahme nach DXO PureRaw, die ich bearbeiten möchte. In der 200%-Ansicht mit geteilter Vorschau schiebe ich die Teilung der Vorschau auf den wichtigsten Teil der Aufnahme, was meistens ein Auge ist.

Im Bereich “Denoising & Demosaicing” werden mehrere Presets angeboten, von denen ich meistens das Preset “DeepPrime XD2s” verwende. Das dauert zwar länger, scheint mir aber die etwss besseren Ergebnisse zu bringen

Wird die Aufnahme zu stark entrauscht, kann es zu einem unschönen Aussehen, deshalb verringere ich den Grad der Entrauschung soweit, daß gerade wieder Rauschen erscheint.

DXO PureRaw beitet die Möglichkeit, Aufnahmen während des Entrauschens zu schärfen. Hier stelle ich die Schärfe so ein, daß kein Halo an Kanten mit starkem Kontrast entsteht. In der Auswahlliste werden fünf Stufen angeboten. Parallel kann die Schärfe auch mit dem Schieberegler angepaßt werden. 

Daneben lassen sich hier auch Objektivkorrekturen, Beseitigung einer Vignette oder Chromatischer Aberrationen angeboten.

1.2 Andere Dateitypen entrauschen

In Photoshop nutze ich Topaz Denoise AI als Filter zum Entrauschen, wenn mir keine RAW-Datei vorliegt. Gestartet wird Denoise mit Filter > Topaz Labs > Topaz DeNoise AI.

Von DeNoise lasse ich mir für die Varianten Standard, Clear, Low Light und Extreme Noise Vorschläge unterbreiten, von denen ich den auswähle, der mir am besten gefällt. Diesen passe ich noch etwas an, wenn es nötig ist.

 

2. Auswahl des Farbprofils

Ich ziehe kräftige Farben vor und verwende deshalb das Farbprofil Adobe kräftig. Zur Vereinfachung meiner Bearbeitung habe ich mir ein einfaches Preset erstellt, das gleichzeitig den Weißabgleich auf 5500K ein. Dieser Wert wird später bei Bedarf angepaßt.

3. Ausrichtung und Beschnitt

Als Nächstes beschneide ich das Bild und richte es aus. Üblicherweise bleibe ich beim 3:2-Seitenverhältnis im Querformat, verwende aber auch das Hochformat, wenn es das Motiv meiner Meinung nach erfordert. Selten werden andere Formate von mir verwendet.

Beim Beschnitt versuche ich, das Wichtigste im Schnittpunkt der Linien des Goldenen Schnitts zu positionieren, nicht wie so oft nach der Drittelregel. . 

4. Einfache Retuschen

Nach dem Beschneiden wird die Aufnahme geprüft, ob störende Elemente vorhanden sind: Schmutz auf dem Sensor, Wasserflecken oder Fusseln auf der Linse. Elemente, die beim Beschneiden übrig geblieben sind. Diese werden mit den Mitteln beseitigt, die in Lightroom vorhanden sind. Dabei verwende ich auch die KI-Möglichkeiten in Lghtroom.

Wenn das nicht geht, werden diese Elemente später in Photoshop beseitigt.

5. Globale Anpassungen

Als Nächstes bearbeite ich Kontrast und Helligkeit. Dazu lasse ich mir von Lightroom jeweils für den Weiß- und den Schwarzpunkt einen Wert vorschlagen, den ich entweder übernehme oder ihn anpasse. Als Gradationskurve verwende ich die vordefinierte Kurve Starker Kontrast

Wird ein Bereich dabei zu dunkel, helle ich ihn mit Tiefen wieder auf. Seltener kommt es vor, daß mir etwas zu hell wird. Dann ziehe ich die Lichter runter. 

Schließlich passe ich die Helligkeit an.

Sind Helligkeit und Kontrast eingestellt, gehe ich zu den Farben über. 

Gefällt mir der Weißabgleich nicht, so passe ich ihn an und verändere auch die Tönung, wofür ich mir von Lightroom einen Wert vorschlagen lasse. 

Mit Sättigung und Präsenz werden die Farben noch etwas angepaßt und schließlich mit Klarheit und Struktur der Schärfeeindruck verbessert. Dabei gehe ich bei Klarheit nicht über 40, der Strukturregler wird nicht soweit hochgezogen.

6. Lokale Anpassungen mit Masken

Mit Masken können einzelne Teile der Aufnahme bearbeitet werden. Bei mir gibt es in der Regel mindestens 2 Masken: eine, um das Motiv zu bearbeiten, eine weitere, um eine (fast nicht sichtbare) Vignette zu erzeugen … Zusätzlich kann es weitere Masken geben, zum Beispiel um Augen aufzuhellen, oder den Hintergrund unschärfer darzustellen.

 

Für die Auswahl des Hauptmotivs benutze ich nicht die Motivmaske, sondern die Objekt-Maske in Lightroom, die meiner Meinung nach bessere Ergebnisse liefert. Das Ergebnis verbessere ich, indem ich die Maske mit einer zweiten Objekt-Auswahl verschneide. Danach wird die Maske mit Pinseln verbessert. 

Wenn die Maske fertig ist, folgen die ersten Anpassungen für das Motiv. Bei Wirbeltieren modifiziere ich den Weißabgleich leicht. Mit +5 wird das Motiv etwas wärmer um es vom Hintergrund abzuheben. Das ausgewählte Motiv wird dann in Lightroom noch geschärft. Daneben kann es weitere Anpassungen wie Anhebung von Schatten oder Absenken von Stellen geben, die zu hell sind. 

Um das Bild nach außen abzuschließen, versehe ich das Bild mit einer Vignette. Jedoch verwende ich nicht die Standardvignette unter Effekte, sondern ziehe unter Maske mit Radialfilter eine Ellipse auf, die deutlich  über das Bild hinausragt. Die Belichtung wird um 0,5 Blendenwerte verringert und der Radialfilter invertiert.

Für die weitere Bearbeitung sende ich die Aufnahme mit Bearbeiten in > In Adobe Potoshop bearbeiten nach  Photoshop.

7. Größenanpassung auf Standardgröße

Da ich meine Aufnahmen in einheitlichen Größen haben möchte, stelle ich diese in Photoshop ein. Dazu verwende ich in der Regel die Photoshop-Funktion Bild > Bildgröße. Dort gebe ich die gewünschte Größe für die längste Kante (3000 px oder 5000 px) ein und übernehme die weiteren Einstellungen. Der Einfachheit halber habe ich mir in Photoshop dafür Aktionen angelegt, die ich nur auslösen muß.

 

8. Komplexere Retuschen zur Entfernung störender Elemente

Meistens reichen Lightrooms Retuschiermöglichkeiten für mich aus. Es gibt aber Fälle, in denen diese Möglichkeiten nicht ausreichen. Dann greife ich zu Photoshop, das über weitergehende Möglichkeiten verfügt.

Dabei nutze ich vor allem zwei Möglichkeiten:

Für auffallend hellere Flecken im Hintergrund, die den Betrachter ablenken, eignet sich für mich die Funktion Inhaltsbasiertes Füllen.

Da ich hierfür keine präzise Auswahl, ziehe ich mit der Lasso-Auswahl eine grobe Umrandung. Mit Bearbeiten > Inhaltsbasierte Füllung wird die Funktion aufgerufen.

Für die wenigen komplexeren Retuschen, die ich benötige, greife ich auf das Entfernen-Werkzeug in Photoshop zurück, die besser als die entsprechende Funktion in Lightroom ist.

 

9. Schärfung

Als Letztes schärfe ich meine Aufnahmen in Photoshop, da hier bessere Möglichkeiten als in Lightroom zur Verrfügung stehen. 

Ich verwende zum Schärfen eine Aktion eines südafrikanischen Wildlife-Fotografen, bei der nur das Motiv mit der Funktion Hochpaß-Schärfen geschärft wird. Da dabei die Bildebene kopiert und in ein Smartobjekt umgewandelt wird, läßt sich die Schärfung leicht rückgängig machen und auch bearbeiten. Durch die Aktion wied nicht das ganze Bild geschärft, sondern nur das Motiv.

Schließlich speichere ich die bearbeitete Aufnahme nach Lightroom zurück, wo eine weitere Datei angelegt wird.